Konzept

Made in Pain

  • Auszeichnung
  • Talents

designTalent

Anne Marzi
Trier

behance.net/annemarzi

hochschule

Hochschule Trier
Modedesign

Prof. Dirk Wolfes

Hochschule-trier.de

projektbeschreibung

MADE IN PAIN behandelt den schmerzlichen Prozess, wie unser Körper Traumata verarbeitet und uns transformierend zu neuer Energie bringen kann. In der Kollektion geht es darum, Emotionen zu visualisieren und damit den Prozess einer subjektiven Traumaheilung deutlich zu machen. Ich habe mich mit meinem persönlichen Trauma auseinandergesetzt und vor allem der Prozessarbeit gewidmet.

Die Kollektion zeigt einen Prozess ausgehend von einer Anpassungsstörung, sodass die Kleidung ganz eigene Formen annimmt, weg vom Körper, bis hin zu zarter, verletzlicher und angepasster Kleidung, die wieder Hoffnung gibt und vor Energie strotzt durch ihre Farbigkeit und außergewöhnliche Formen. Aussparungen und das Arbeiten mit dem negativen Raum in Form von menschlichen Umrissen, symbolisieren Vergänglichkeit und visualisieren das Tragen von schweren Lasten und auch das bei sich Tragen von Erinnerungen verstorbener Menschen. Daran anknüpfend habe ich blinde Scherenschnitte und Schnittführungen nach Erinnerungen intuitiv angefertigt und zusammengesetzt, sodass sie eine Einheit und somit ein stimmiges Bild ergeben. Daraus entstanden freie, abstrakte Looks in Form von Collagen, die rein von Form und Farbe bestimmt sind.

Die Arbeit lebt von losgelösten Momenten und intuitiven Handlungen, die ich während meines Heilungsprozesses erfahren und dadurch zu neuer Energie gefunden habe.

jurystatment

Heilung von Traumata – ein sehr schwieriges und sensibles Thema. Dennoch wichtig und in der heutigen Zeit nach wie vor etwas, das häufig nicht öffentlich ausgetragen wird. Dieses Thema über eine Modekollektion auszudrücken, verdient eine besondere Auszeichnung. Eine Auseinandersetzung auf dieser Ebene löst die Problematik einer inhaltlich geführten Therapie auf und stellt den Prozess der Heilung als eine poetische Entwicklung, eher einer Metamorphose dar. Dabei ist eine Kollektion entstanden, die vom Trauma bis zur „Erlösung“ alles ungeschönt darstellt und in einer Expression durch Farben und Formen dabei nie pathetisch wird.

Anne Marzi hat sich mit ihrer Arbeit selbst therapiert und gleichzeitig eine Ausdrucksform für ein großes Gebiet der Psychotherapie gefunden, das so vermutlich noch nie bearbeitet wurde. Diese Einzigartigkeit bietet die Chance, anders über Traumatherapie nachzudenken und auf völlig neue, interdisziplinäre Art eine neue Form der Therapie zu finden. Auch wenn es schwierig ist, einen solchen Ansatz auszuzeichnen, so wichtig ist es, genau dies zu tun und darüber hinaus auch die gestalterische Qualität der Kollektion zu honorieren.

Andreas Mägerlein